»Man soll nichts tun, was einem nicht gemäß ist.«

Kurt Tucholsky (1890 bis 1935)

Spätestens seit der Buchreihe des Kollegen Sick hält sich die Überzeugung, der Dativ verdränge den Genitiv. Ich halte dagegen: Es gibt gar nicht wenige Beispiele, in denen viele den Genitiv benutzen, obwohl der Dativ üblich ist.

Das gilt besonders für die Präpositionen »entgegen«, »laut« und »gemäß«. Formulierungen wie »laut des Berichts« oder »entgegen des Uhrzeigersinns« mögen vornehm klingen, der Dativ ist in diesen Fällen aber die Form der Wahl. Die Duden-Redaktion präsentiert hier sogar prozentuale Anteile des Sprachgebrauchs (lässt allerdings leider offen, wo und wie sie diese erhoben hat).

  • So steht »entgegen« mit einem Singular-Substantiv zu 91 % im Dativ (»entgegen dem Uhrzeigersinn«). Mit Plural-Substantiv (»entgegen den Vorgaben«) sind es nur 69 %, da kommt also häufiger auch mal der Genitiv (»entgegen der Vorgaben«) vor.
  • Bei »laut« herrscht der Dativ mit 95 % vor (»laut dem Gesetz«). Bei dieser Präposition kann das Substantiv auch direkt folgen; dann stellt sich die Frage gar nicht (»laut Gesetz«).
  • Die Präposition »gemäß« zeigt wieder Unterschiede in Singular- und Plural-Konstruktionen, beide Male liegt aber der Dativ deutlich vorn: 83 % sind es beim Singular (»gemäß dem Gutachten«) und 73 % beim Plural (»gemäß den Regeln«).
  • Bei »gemäß« finden sich sogar auch noch 100-%-Werte: Der Dativ ist allein korrekt, wenn »gemäß« nachgestellt ist (»seinem Wunsch gemäß«) – oder wenn ein Substantiv im Plural unmittelbar folgt (»gemäß TV-Berichten«; im Singular bleibt es wieder unverändert: »gemäß TV-Bericht«).

Alle, die es mit Zahlen und Statistiken nicht so haben, können sich merken: Wenn Sie ein Substantiv in der Kombination mit »entgegen«, »laut« oder »gemäß« beugen müssen, sind Sie mit dem Dativ immer besser bedient. Und wenn Ihnen hier mal jemand die Nutzung des Genitivs als Fehler ankreidet, können Sie jetzt immerhin mit Prozentwerten schlaumeiern.

© Juliane Topka 2026
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