»Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen.«
Paul Klee (1879 bis 1940)
Auf mehrfachen Wunsch geht es heute um den Apostroph. Sie lesen richtig: um den Apostroph, nicht um das Apostroph, denn das wäre falsches Deutsch.
Ein Apostroph zeigt an, dass etwas weggelassen wurde. Oft sehe ich aber Apostrophe da, wo gar nichts fehlt: zum Beispiel bei den Imperativen »nimm« und »gib«. Die lauten genau so, da fehlen keine Buchstaben, also braucht man auch keinen Apostroph.
Umgekehrt ist ein Apostroph aber nicht überall zwingend, wo man etwas weglässt. Nötig ist er nur, wenn die verkürzte Form sonst schwierig zu erfassen oder missverständlich ist. Das ist in lyrisch anmutender Sprache häufiger der Fall (»ein einz’ger Moment«), nicht aber bei kurzen, gängigen Verschmelzungen wie »ins«, »beim«, »zur« oder bei Kurzformen wie »runter«, »rauf«, »raus«. Sinnvoll ist er auch, wenn man gesprochene Sprache wiedergibt: »So’n Quatsch« liest sich viel einfacher als »Son Quatsch«.
Der häufigste Fehler in diesem Bereich ist aber der Apostroph vor einem Genitiv-s. Richtig ist »Hamburgs Altstadt« oder »Martins Zeitung« ohne Apostroph. Wenn die Grundform des Namens auf s, ss, ß, tz, z oder x endet und ohne Artikel steht, braucht man einen Apostroph, aber nicht zusätzlich zum Genitiv-s, sondern als Ersatz dafür (»Hans’ Schwester«).
Das heißt: Eine Würstchenbude, die von einer Frau namens Andrea betrieben wird, ist mit »Andreas Imbiss« korrekt betitelt; schwingt dort ein Andreas die Grillzange, ist »Andreas’ Imbiss« die richtige Schreibweise. Der Deppenapostroph, den der Duden (wenn auch nicht unter diesem Namen) als »gelegentlich gebraucht« verzeichnet, ist aus formaler Sicht also gar nicht notwendig, um seins und ihrs zu unterscheiden.
Tipp:
Der Apostroph ist ein eigenes Zeichen (’), der Shortcut auf dem PC ist ALT + 0146, am Mac Shift + ALT + #. Akzente oder einfache Abführungszeichen als Ersatz sind falsch.
Oh je ... da wundert man sich dann auch nicht mehr, dass Leute zunehmend unsicher sind, was korrekte Schreibweisen angeht.…
Als ich diesen Text gelesen habe, musste ich auch sofort an dieses Beispiel denken. Meine beiden Kinder besuchen eine Erich-Kästner-Schule…
Es bleibt einem ja auch kaum etwas anderes übrig ... ;-)
Das mit dem Schaudern geht mir auch so. Und „Eigenname“ ist ja auch keine Entschuldigung dafür, falsch zu schreiben ...…
Besten Dank dafür. Das brennt mir auch schon länger in den Augen. Kennt ihr auch die Erichs, die Kästner-Schule mit…