»Keiner nimmt den Rang ein, den er zu verdienen meint.«

Emanuel Wertheimer (1846 bis 1916), Philosoph und Aphoristiker

Manche Menschen stehen mit der Interpunktion so auf Kriegsfuß, dass sie Kommas lieber komplett weglassen. Das ist allerdings keine gute Idee: Es gibt viele Fälle, in denen ein Komma – gesetzt oder weggelassen – die Aussage komplett verändert.

Umsichtig sollte zum Beispiel sein, wer ein Substantiv mit zwei Adjektiven beschreibt. Erkennen Sie hier, welchen Bedeutungsunterschied das Komma bewirkt?

Wir sind auf der Suche nach einer neuen(,) engagierten Geschäftsführung.

Wenn die beiden Adjektive gleichrangig sind, also zusammen eine Bedeutung formen, folgen sie ohne Komma aufeinander. Damit bedeutet der Satz: Wir hatten bis jetzt eine engagierte Geschäftsführung, die verlässt uns aber nun, deshalb brauchen wir eine neue engagierte Geschäftsführung.

Steht hier aber ein Komma, verändert sich die Aussage dahingehend, dass die Eigenschaft »engagiert« erst jetzt neu hinzukommt: Wir suchen eine neue Geschäftsführung, und dieses Mal sollte sie engagiert sein.

Ein weiteres Beispiel: Wenn ich frage, ob es noch andere informative Unterlagen zu einem Thema gibt, dann liegt mir bereits gutes Material vor, und ich möchte mehr von der Sorte. Erkundige ich mich aber nach anderen, informativen Unterlagen, hat das, was ich bisher gelesen habe, mich noch nicht schlauer gemacht.

Gar nicht selten sehe ich in meiner Arbeit Sätze, die Gleichrangigkeit ausdrücken sollen, durch ein unwissend gesetztes Komma aber genau das nicht tun. Das erste Beispiel zeigt: Im ungünstigsten Fall grenzt die Aussage dann sogar an Beleidigung. Davor bewahrt Sie keine automatische Textassistenz, denn die erkennt den Unterschied nicht.

© Juliane Topka 2026
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