»Und in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied.«
Hugo von Hofmannsthal (1874 bis 1929), österr. Lyriker, Dramatiker, Erzähler
Wenn man beschreiben will, dass Dinge auf mehrere Arten getan werden oder passieren, kann man das grundsätzlich sowohl mit »anders« machen als auch mit »unterschiedlich« oder »verschieden«. Je nach Formulierung ist es aber nicht egal, welchen dieser Begriffe man sich aussucht. Ein Beispiel:
Sie haben alle das gleiche Ziel, aber einen ganz anderen Weg.
Wären Sie über diesen Satz gestolpert? Die Beschreibung mit »anders« erfordert einen konkreten Bezug. Das muss nicht unbedingt ein wörtliches »als XY« sein (»Ich mache es anders als du«), die Formulierung kann sich auch auf einen vorher beschriebenen Sachverhalt beziehen (»Gestern schien die Sonne. Heute ist das Wetter anders.«).
Wenn man aber eine Information über mehrere Dinge oder Personen in einer Aussage bündelt, gibt es einen solchen konkreten Eins-zu-eins-Vergleich nicht. So ist es im Beispielsatz oben. Dort geht es um eine Gruppe von Personen: Die erste geht einen anderen Weg als die zweite, deren Weg wiederum anders ist als der Weg der dritten Person und so weiter. In der Summe gibt es also viele Wege, und die sind in der Gesamtschau unterschiedlich oder auch verschieden. In dem Satz ist also nicht nur »anders« falsch, sondern auch der Singular. Korrekt ist:
Sie haben alle das gleiche Ziel, aber ganz unterschiedliche/verschiedene Wege.
Lieber Herr Fink, ich hatte in der Tat überlegt, zumindest »nahe« auch noch in diesen Newsletter aufzunehmen, das hätte dann…
Liebe Frau Topka, ich umarme Sie! Diese Genitiverei nervt mich seit Jahren. Zu den von Ihnen genannten üblichen Verdächtigen darf…
Sprachliche Kopplungen zeigen, wie kleine formale Entscheidungen die Lesbarkeit beeinflussen. Die konkreten Beispiele machen das Thema sehr anschaulich.
Ist mir ein Vergnügen :-)
Vielen lieben Dank dafür!