»Durch Klugsein können wir Bosheit entwaffnen und Unheil abwenden.«
Luise Baer (19./20. Jahrhundert), deutsche Schriftstellerin
Die wohl häufigste Antwort, die ich auf Sprachfragen gebe, lautet: »Es kommt drauf an.« Heute habe ich wieder so einen Fall für Sie. Ein Leser hatte in einem Fernsehbeitrag die Formulierung gehört, ein Handelskrieg sei vorerst abgewandt worden. Ob das richtig sei? Müsse es nicht »abgewendet« heißen?
Die Vergangenheitsformen des Verbs »abwenden« können grundsätzlich in beiden Varianten vorkommen. In den meisten Fällen sind sie beliebig gegeneinander austauschbar.
Sie hat den Blick abgewendet/abgewandt.
Er wendete/wandte sich ab (und ging in eine andere Richtung).
Die meisten Fälle sind die, in denen »abwenden« eine sichtbare Bewegung beschreibt, also so viel bedeutet wie »drehen« bzw. »wenden« oder »(sich) umdrehen«. Trifft dies zu, sind beide Formen korrekt.
Aber es gibt noch eine andere, übertragene Bedeutung, für die sich die Lage anders darstellt. Diese zweite Bedeutung ist »[etwas Schlimmes] verhindern«, »vereiteln« oder auch »abwehren«. Diesen Fall haben wir in dem Satz aus der Frage oben (einen Handelskrieg abwenden). In dieser Bedeutung kann etwas nur abgewendet werden, aber nicht abgewandt.
Oh je ... da wundert man sich dann auch nicht mehr, dass Leute zunehmend unsicher sind, was korrekte Schreibweisen angeht.…
Als ich diesen Text gelesen habe, musste ich auch sofort an dieses Beispiel denken. Meine beiden Kinder besuchen eine Erich-Kästner-Schule…
Es bleibt einem ja auch kaum etwas anderes übrig ... ;-)
Das mit dem Schaudern geht mir auch so. Und „Eigenname“ ist ja auch keine Entschuldigung dafür, falsch zu schreiben ...…
Besten Dank dafür. Das brennt mir auch schon länger in den Augen. Kennt ihr auch die Erichs, die Kästner-Schule mit…