»Wer auf Vertrauen dringt, zeigt, dass er es nicht freiwillig verdient.«
Deutsches Sprichwort
Eine Leserin bat mich, einmal etwas über die Verben »dringen« und »drängen« zu schreiben: Wie unterscheiden sie sich im Gebrauch und in der Grammatik? Dringt oder drängt zum Beispiel jemand auf eine Entscheidung?
Grundsätzlich gilt, dass »dringen« stark gebeugt wird (drang/gedrungen) und das erst später daraus entstandene Handlungsverb »drängen« schwach (drängte/gedrängt). Zudem ist »drängen« ein transitives Verb, das heißt, es steht in Kombination mit einem Akkusativobjekt:
Es drängt (wen oder was?) mich, Ihnen das zu erklären.
Sie hat (wen oder was?) ihn gedrängt, die Aufgabe zu übernehmen.
Dagegen ist »dringen« intransitiv, braucht also kein solches Objekt:
Durch den Türspalt dringt ein Lichtschein.
Er drang darauf, schnell abzureisen.
Aus diesen Rahmendaten leitet sich ab, dass jemand auf eine Entscheidung dringt und nicht drängt. Allerdings vermerkt der Duden, dass auch »drängen« inzwischen teilweise intransitiv gebraucht wird. Jemand kann also auf eine Entscheidung dringen oder auch drängen, gedrungen oder gedrängt haben. Suchen Sie sich aus, was Ihnen besser gefällt.
In Sachen Beugung erwähne ich der Vollständigkeit halber noch, dass auch die Ableitung »aufdrängen« schwach gebeugt wird. Diese Zusatzinformation habe ich Ihnen somit jetzt aufgedrängt (nicht: aufgedrungen).
Oh je ... da wundert man sich dann auch nicht mehr, dass Leute zunehmend unsicher sind, was korrekte Schreibweisen angeht.…
Als ich diesen Text gelesen habe, musste ich auch sofort an dieses Beispiel denken. Meine beiden Kinder besuchen eine Erich-Kästner-Schule…
Es bleibt einem ja auch kaum etwas anderes übrig ... ;-)
Das mit dem Schaudern geht mir auch so. Und „Eigenname“ ist ja auch keine Entschuldigung dafür, falsch zu schreiben ...…
Besten Dank dafür. Das brennt mir auch schon länger in den Augen. Kennt ihr auch die Erichs, die Kästner-Schule mit…